17
Okt

Bindeanleitung Gelenkstreamer zum Hechtfischen

categories Fliegenbinden, Fliegenfischen      Autor Autor: Spezi    

Gelenkstreamer

Riesig groß, verrückt, lebensecht und voluminös, das sind die Attribute mit denen diese Hechtfliegen daherkommen.

Diese Streamer sind verglichen mit meinen anderen Hechtstreamern schon etwas Außergewöhnliches, ist doch ihre Größe fast furchteinflößend (beim Wurf!) und die Bindeweise sehr zeit- und arbeitsaufwändig sowie mit recht hohem Schwierigkeitsgrad verbunden.

Gelenkstreamer 25 cm lang

Gelenkstreamer 25 cm lang

Diese Streamer bestehen aus 3-4 Teilen (Haken, Mittelteile), streng genommen 3-4 Fliegen hintereinander gekoppelt. Zugegeben, einige Bestandteile sind eine Anleihe vom Kunstköderfischen (Blinker, Spinner etc.).

Aber Streamer mit 2 Haken sind natürlich nicht neu, ihre Bindeweise wurde schon vor vielen Jahrzehnten durch die englischen lureartigen Streamer bekannt. Die hier vorgestellten Streamer mit Puppenhaar (Langhaarplüsch) sind mir seit etwa 2004 bekannt. Von den Streamern mit 2 Haken und Monofil- oder Draht-Verbindungen unterscheiden sie sich insbesondere durch die Verbindungen mittels Wirbeln und Ösen, sowie durch den(die) Mittelkörper aus gedoppeltem Stahlvorfachmaterial (z.B. Sevenstrang). Diese Gelenkigkeit kannte ich bisher nur von den kleinen Wiggle-Nymphen. Fliegen dieser Größe von bis zu 30 cm wurden meines Wissens nach bisher nur für die Salzwasser Big Game Offshore-Fischerei verwendet, in kleineren Größen von 20 bis 25 cm in Holland für die Hechtfischerei an den Poldern und Seen sowie die Fischerei auf Taimen bzw. Huchen.

Wer nun sagt, diese Streamer werfen sich in nassem Zustand doch wie ein „Halbes Hähnchen“, dem muß ich doch widersprechen. Denn sie lassen sich noch gut mit einer 9er Rute Schnurklasse 8 werfen, da die Fliegen durch das Syntetikmaterial kaum Wasser aufnehmen. Und solch eine Rute sollte es schon sein, denn sonst verlängert sich nicht nur der Drill, auch für ein ‚Catch and Release‘ ist es nicht gerade förderlich. Aber hier haben wir Deutschen ja noch Nachholbedarf, da es uns ja das Fischereigesetz nicht gerade einfacher macht. Ein Blick nach Holland, England und Schweden kann da nicht schaden.

Benötigte Materialien:

Haken:

Streamer Größe 2/0 – 6/0 (Partridge Ad Swier Pike, Gamakatsu, Eagle Claw)

Bindefaden:

Schwarz (RST Super Thread, Dynema, GSP 120)

Beschwerung:

keine, sonst arbeitet der Streamer nicht richtig!

Schwanz:

Langhaarplüsch lose, Glitzerfäden

Unterkörper Haken Kopfteil u. Schwanzteil:

Chenille, Kunstbast

Körper Haken und Mittelteil:

Langhaarplüsch (Puppenhaar) als Strang mit Edelstahldraht, Pike Brush, NGD

Wangen:

Glitzerfäden, Sattelfedern Grizzly

Kopf:

Bindefaden

Augen:

3D-Eyes selbstklebend / Folienaugen selbstklebend, kein Epoxy oder Silikon auftragen

    Materialübersicht

Materialübersicht

Zur Herstellung der mit Edelstahldraht verdrallten (für „Eingeweihte“: gepfandelten) Langhaarplüsch-Stränge gehe ich hier nicht ein, hier sollte sich der Interessierte an die Homepage von Horst Puzicha halten. Hier ist alles sehr gut und ausführlich beschrieben. Auch im Fliegenfischer steht ein guter Bericht hierüber. Ich beschränke mich daher auf das Binden des Streamers.

Alternativ zu den selbsthergestellten Strängen kann natürlich jedes langhaarige Fertigprodukt wie Pike Brush von Roman Moser oder die NGD-Stränge (Dürkop) verwendet werden. Aber so lang wie Plüsch ist kein anderes Produkt.

Bindeanleitung:

1. Der Mittelkörper wird aus einer Stahldrahtschlinge (Hechtvorfach) hergestellt. Ein etwa 15 cm langer Draht wird durch die Öse eines Wirbels und einem Sprengring geführt und mittels passender Klemmhülse und Spezial-Zange verschlossen. Die etwas überstehenden Drahtenden werden später überwickelt. Die Schlinge wird nun zwischen 2 Bindestöcke geklemmt, stramm gezogen und mit Bindegarn vom Öhr zum Sprengring in festen Wicklungen überwickelt. Die Wicklungen sollten einige mm Abstand zu den Enden haben, damit die Öse bzw. der Sprengring ihre Beweglichkeit am Mittelteil behalten. Die Schlinge ist nun geschlossen und bildet die Basis für den Körper aus dem Strangmaterial. Die Wicklungen lackieren.

Drahtschlaufe straff einspannen

Bild 1: Drahtschlaufe straff einspannen

2. Mit dem Bindefaden den Materialstrang am Sprenring einbinden und in palmerartigen Windungen (nicht zu dicht) zum Öhr des Wirbels führen. Bei jeder Wicklung das Material am Strang entgegen der Wickelrichtung mit den Fingern oder einem kleinen Flohkamm zurückstreifen und kämmen. Nach jedem Bindeschritt Windungen lackieren!

Materialstrang einbinden

Bild 2: Materialstrang einbinden

3. Am Öhr den Strang abbinden, abschneiden und alles mit einem Knoten sichern. Nun noch etwas Flash (Holo Flashabou, Twinkle) und optional auf jeder Seite einige lange Sattelfedern einbinden. Den Kopfknoten formen und den Faden abschneiden. Den Kopf lackieren. Alles ausbürsten oder auskämmen, Verfilzungen und kleine Knoten vorsichtig lösen. Fertig ist das Mittelteil.

Fertiges Mittelteil

Bild 3: Fertiges Mittelteil

Da ich den Streamer i.A. nur mit einem Mittelteil binde können wir dieses jetzt am vorderen Haken (Kopfteil) festbinden.

4. Der vordere Haken wird in den Bindestock eingespannt und eine Grundwicklung bis zum Hakenbogen aufgebracht. Jetzt wird das Mittelteil mit einem ca. 20 cm langen Draht am Hakenbogen befestigt, indem wir den Draht durch die Wirbelöse führen, doppeln unddie Drahtenden mit einigen Wicklungen oben auf dem Hakenschenkel fixiert. Nun das Mittelteil am Draht bis kurz vor das Hakenende ziehen, die Drahtenden vorne durch das Hakenöhr ziehen, zurücklegen und spiralförmig um den Hakenschenkel zurückführen. Mit dem Bindegarn alles gut festwinden und die Wicklungen gut lackieren.

Mittelteil am Kopfhaken befestigen

Bild 4: Mittelteil am Kopfhaken befestigen

5. Das Bindegarn zum Hakenöhr führen, dort einen Kunstbaststreifen etwa in doppelter Hakenlänge festbinden und mit dem Bindegarn zum Hakenbogen führen. Jetzt einen Chenillefaden in farblicher Anpassung einbinden und das Bindegarn zum Hakenöhr zurückführen. Das Chenille in einem Lackbett zum Öhr wickeln und dort fixieren. Den Baststrang umlegen und mit dem Bindefaden festwinden, den Bast abschneiden und alles mit einer Kreuzwicklung zum Hakenbogen und wieder zurück überwickeln.

Bild 5. Kunstbast einbindenBild

Bild 5. Kunstbast einbinden

Chenille anwinden

Bild 6: Chenille anwinden

Kunstbast zurücklegen und fixieren

Bild 7: Kunstbast zurücklegen und fixieren

6. Nun am Hakenbogen eine Materialstrang einbinden. Dieser kann nun schwarz oder andersfarbig sein, oder es werden je zur Hälfte 2 unterschiedliche Stränge eingebunden. Dadurch zeichnet sich der Kopf am Streamer besser ab.

Materialstrang einbinden

Bild 8: Materialstrang einbinden

5. Den Körper lackieren, eingebundenen Materialstrang anwinden und den Strang am Hakenöhr abbinden. Wie bereits beim Mittelteil gelernt, die Fibern des Stranges bei und vor jeder Umwicklung zurücklegen. Nun nach Wunsch etwas Flash (Holo Flashabou, Twinkle) einbinden. Den Kopfknoten machen und lackieren. Das Kopfteil nun wieder vorsichtig ausbürsten, untergewickelte Fibern mit einer Dubbingnadel befreien und Knoten und Verfilzungen lösen, also alles in Form bringen.

Fertiges Kopfteil, zweifarbiger Materialstrang

Bild 9: Fertiges Kopfteil, zweifarbiger Materialstrang mit Krautschutz in V-Form

Für das Schwanzteil den anderen Haken einspannen und so wie beim Kopfhaken alles Bindeschritte wiederholen, natürlich mit der Ausnahme, das hinten am Hakenboden nichts angebunden wird. Hier wird jetzt etwas Material für das Schwänzchen eingebunden, gefolgt von etwas Flash. Dann wieder einen Materialstrang einbinden und weiter wie beim Kopf verfahren.

Das fertige, gut ausgebürstete Schwanzteil wird nun mit dem Öhr am Sprengring (möglichst unter Zuhilfenahme einer Sprenringzange) eingehängt. Den fertigen Streamer nochmals auskämmen. Auf das Kopfteil die selbstklebenden Augen befestigen.

Fertiger Gelenkstreamer

Fertiger Gelenkstreamer

Wer mag kann den Streamer noch mit wasserfesten Filzstiften z.B. von Letraset anmalen bzw etwas kollorieren, aber nicht zuviel, da die Fibern sonst zu stark verkleben. Dann gut trocknen lassen und vorsichtig auskämmen oder bürsten. Das Kollorieren macht die Fliege besonders lebensecht, einfach fischig!

Kollorierter Barschstreamer

Kollorierter Barschstreamer

Wem nun der Streamer noch zu kurz ist, der kann natürlich ein zweites Mittelteil herstellen und alles hintereinander schalten. Dann ist die Fliege, sofern sie noch diese Bezeichnung verdient, 30 und mehr cm lang.

Je nach Fülligkeit sollte der Gelenkstreamer noch mit einer Schere, wer hat einer Effilierschere, etwas ausgedünnt werden. Also nicht zu eng winden bei der Herstellung, die Lichtdurchlässigkeit (Transluzenz) eines Streamers läßt diesen wesentlich natürlicher erscheinen. Hierauf ist ja der Erfolg aller sog. 3D-Streamer zurückzuführen, wie z.B. die EP (Enrico Puglisi) Flies oder Fliegen mit DNA-Materialien.

Gelenkstreamer 25cm und 1-teiliger Gelenkstreamer 15cm mit 1 Drilling

Gelenkstreamer 25cm und 1-teiliger Gelenkstreamer 15cm mit 1 Drilling

Dieser Streamer kann in allen verfügbaren Farbkompositionen gebunden werden. Auch ein Krautschutz für die Haken in Form einer Monofil-Schlaufe vom Hakenbogen zum Öhr eingebunden oder als V am Köpfchen nach unten/hinten angeordnet schützt den Streamer vor Hängern und Verlust.

Quellenangabe:

Fliegenart:

Streamer

Erscheinungsjahr:

2004

Original von:

Horst Puzicha

Nachweis/Quelle

Der Fliegenfischer Heft 151, S.20ff

Gebunden von:

Spezi

Schwierigkeitsgrad:

hoch

Zielfische:

Hecht, Huchen

Die Beweglichkeit der Streamer ist toll, im Wasser spielen die Fibern hervorragend. Langsam und dann plötzlich fluchtartig ruckweise geführt wirken sie sehr lebensecht und üben auf den Hecht einen unwiederstehlichen Reiz aus.

Vor dem Fischen müssen die Fliegen gut durchfeuchtet werden. Sie lassen sich dann mit allen Schnurarten fischen, ihre Stärke liegt in der langsamen, schwebenden Führungsweise an stehenden oder langsam strömenden Gewässern. Ihr Einsatzbereich liegt dabei sicher mehr in den oberen Wasserschichten, sehr stark strömende Flüsse und die ganz tiefen Bereiche stehender Gewässer begrenzen sicher ihren Einsatz. Aber wie heißt es so schön: Möglich ist alles! Nach dem Fischen müssen die Streamer erst trocknen, danach lassen sie sich mit einer kleinen Bürste wieder in Form bringen. Vorsicht, in nassem Zustand reißen die Fibern aus.

Es ist vielleicht nun nicht jedermans Sache, als Fliegenfischer solche Fliegen zu fischen. Und nicht nur der Purist wird seine Nase rümpfen, denn was haben Fliegen mit Wirbeln und Sprengringen gebunden noch mit Fliegenfischen zu tun. Aber hier ist Toleranz gefragt, denn wollen wir nicht alle nur das Eine, nämlich Fische fangen und Freude an unserer Passion und Hobby haben? Und sicher beginnt hier die Diskussion, aber das ist dann ein anderes Thema.

Leider bin ich erst in diesem Jahr dazu gekommen, sie zu binden und ihre endgültige Erprobung steht in dieser Herbst- und Wintersaison noch bevor. Also, die Bilder erfolgreicher Hechtpirsch werden folgen, hoffentlich :-))

Und nun viel Erfolg beim Nachbinden und dicke Überraschungen an der Fliegenrute.

Allways tight lines

Spezi

ein Schwarm Barsche mit Weißfischen

Ein Schwarm Barsche mit Weißfischen

Kommentare

2 Kommentare zu “Bindeanleitung Gelenkstreamer zum Hechtfischen”

  1. Horst Puzicha am 10.02.2009 um 06:55 Uhr 

    der artikel ist toll die streamer natürlich auch
    mfg horst puzicha

  2. Shad your Web am 19.06.2010 um 00:09 Uhr 

    Gamakatsu Drilling Treble 13 b…

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